Krieg, und andere Misslichkeiten

Wenn dem Menschen etwas in die Quere kommt, das sein Leben beeinträchtigt, neigt er dazu um sich zu schlagen. Angeblich war das nicht immer so. Den sogenannten edlen Wilden wird nachgesagt, dass sie sich friedlicher geeinigt hätten, und sich mit anderen besser vertragen hätten, als wir das heute tun. Da aber immer wieder bei ausgebuddelten Überresten früherer Menschen Kampfspuren gefunden werden, zweifle ich das etwas an.

Allerdings mag es ja sein, dass diese kämpferischen Typen mit dem Haudrauf-Charme schon immer gut in unseren Breitengraden gediehen sind. Die Ureinwohner Australiens sollen bedeutend manierlicher gewesen sein. Die leben allerdings auch noch, während einige unserer Vorfahren in ihrer ursprünglichen Form die Attacken der Zivilisation und des christlichen Abendlandes nicht überstanden haben.

Früher waren die Kriege allerdings kleiner als heute. Wie ich in einem Buch lesen konnte, waren diese Vorfahren auch gut darin, anderen die Waffen zu klauen. So kam es zum Weiterentwickeln der Selbigen, und eben zum Fortschritt der Kriegsmaschinerie. Ich frage mich wozu, wenn doch alles angeblich so friedliebend war?

Vielleicht war es ja damals gar nicht so viel anders als heute: Der Frieden wurde verteidigt, mit allen Mitteln. Aufrüstung auf Urmenschenart, und Gleichgewicht der Schrecken, und so weiter. Zusammenhalt und leidliches Wohlergehen, bis irgendein Missgeschick andere herbeispülte. Und, bis der Friede dann wankte, und irgendein feister Führer der Wilden dann vollgefressen und berauscht vom Met im Grössenwahn und Fremdenhass den Angriffsbefehl gab.

Für damalige Verhältnisse hatten diese Vorfahren ja auch eine erstaunliche Kultur. Sie mussten ja auch noch etwas andere Fähigkeiten besitzen, als wir heute – denn, wir sind ja schon sehr verfeinert. Damals musste das Essen noch erjagt werden, es gab keinen Supermarkt. Also, waren sie sehr geschickt in solchen Dingen.

Was ist eigentlich Krieg? In einem Buch habe ich eine kurze Erklärung dafür gefunden: „Krieg ist der organisierte Angriff einer Gemeinschaft auf eine andere“. Punkt, und das ist es.

Ansonsten ist alles fast schon mal dagewesen. Die Frage erhebt sich also, wie weit wir uns wirklich weiterentwickelt haben. Nun, gut, wir haben heute eine verfeinerte Gerichtsbarkeit mit ausgefeilten Gesetzen und Regeln. Keiner leidet mehr als Symbol für andere, zum Mindesten sollte es so sein, und die Menschen werden also für persönliche Handlungen bestraft, die sie begangen haben, und die den Gesetzen zuwider laufen. Und doch, ganz ohne Sündenböcke kommt auch die heutige, angeblich so hochentwickelte Gesellschaft nicht aus. Immer wieder werden Feinde erschaffen, und Sündenböcke neu erfunden.

Auch der Rachegedanke wird nie ganz auszurotten sein, dafür sind wir Menschen einfach zu stolz. Mit dem Vergeben hapert es gewaltig im Notfall, und das Christliche wird rasch über Bord geworfen, wenn es einen Grund gibt, mit den Zähnen zu knirschen und Rache zu schwören.

Das Kuriosum ist aber heute, dass wir an Kriegen teilnehmen, zu denen wir eigentlich keinen direkten Grund haben. Wir wurden nicht angegriffen, keine fremden Völker wollten uns ungefragt überrollen, und die Frage ist nun, welcher Dämon uns reitet, dass wir uns in die Händel anderer mit hinein ziehen lassen. Übereinkommen und Abkünfte, Verteidigungsbündnisse und andere Gründe.

Krieg gegen den Terror, der keines jener Opfer des 11. September wieder lebendig macht. Nicht einmal Genugtuung kann dieser Krieg verschaffen, denn wir kämpfen ja in Staaten, die uns anscheinend unterlegen sind, was ihre Entwicklung angeht. Jedenfalls ist das in den Breichten so ersichtlich.

Globalisierung und Markt total, also müssen diese Menschen dort zwangsbeglückt werden, mit den Segnungen wie auch mit dem Elend unserer westlichen Hemisphäre. Eigentlich hat sich das Ganze längst verkehrt, und wir sind die Aggressioren – schliesslich wollen wir ja auch an die Rohstoffe an dieser Länder. Diese Vorgänge werden in einem unbeschreiblichen Begründungs-Gemengsel zurechtgemixt, und dann als westliche Hilfe für diese Länder an uns weitergegeben, damit wir nicht noch ärgerlicher werden über das, was da geschieht.

Das normale Denken hat einer gewissen Art von Doppeldenken Platz zu machen, und die Wahrheit und nichts als die Wahrheit ist schon lange über Bord gegangen dabei, denn sie geht immer zuerst über Bod, als ein Ballast, der den Kriegführenden nur hinderlich erscheint. Politik ist schon lange dreckig und verlogen geworden, also fällt das schon gar nicht mehr so sonderlich auf.

Was ist also der Fortschritt bei allem? Dass wir sadistischer geworden sind, in der Behandlung der Gefangenen und Verdächtigen? Dass wir noch primitiver und barbarischer sein können, als unsere Vorfahren? Ist es ein Fortschritt, dass der Staat heute, der an die Stelle der Stammesgesellschaften getreten ist, heute gegen die eigenen Leute auch gerichtet ist?

Nicht ganz so. Es gab früher schon barbarischere Todesarten als heute. Aber, das galt ja schon als Fortschritt, war nicht mehr nur primitiv. Krieg hinterläßt oft eine Wüstenei, die dann hinterher Frieden genannt wird – Elend und Not, Leiden und Bitterkeit. Wir Deutschen sind ja auch nur knapp diesem Schicksal entgangen, dass wir dem Elend gänzlich überantwortet wurden. Es gab ja den Morgenthau-Plan, und dann hätten wir heute nichts zum exportieren, jedenfalls nichts aus Produktion und Fertigung. Wir sollten ein Bauernland werden.

Alle, die keine Bauern hätten werden können, hätten verhungern müssen. Trotzdem wurde Vieles zerstört, gelernt haben wir daraus bis heute nicht viel. Immer noch herrscht der Egoismus vor, wenn es um das Zerteilen der Beute geht, das sieht man heute wieder im Irak.

Der größte Unterschied zu früheren kriegerischen Handlungen besteht darin, dass früher lediglich die Leute der feindlichen Seite zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Heute unterzieht man das eigene Volk dieser Prozedur.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: